
Tiefdunkle Dreifaltigkeit
„Triptykon ist das Härteste und Dunkelste, was ich überhaupt je gemacht
habe“, konstatiert Vokalist, Gitarrist und Okkultliebhaber Warrior, im bürgerlichen
Leben bekannt als Thomas Gabriel Fischer, im Interviewgespräch. Man höre
und staune. Er muss es ja wissen, schließlich mischt der Mann seit Anfang
der 80er Jahre immer wieder ausdrucksstark, mutig und unbeirrbar im musikalisch
knallharten Bereich mit. Dass der künstlerisch dauerhungrige Schweizer
Black Metal-Pionier ein absoluter Freigeist und Charakterkerl ist, hat sich
mittlerweile in entsprechenden Kreisen ausreichend herumgesprochen – für
diverse Egotripper in seiner ehemaligen Erfolgsband Celtic Frost war genau dies
irgendwann nicht mehr hinnehmbar. Er überlegte laut eigener Aussage lange
– doch dann stieg Celtic Frost-Bandgründer Tom G. Warrior aus, litt unter
dem Verlust und gründete nicht zuletzt deswegen kurz darauf seine neue
Truppe Triptykon. Instrumentell verstärkt wird der ewige Idealist und HR
Giger-Verehrer aus Zürich auch vom Dark Fortress-Gitarristen V. Santura.
Warrior konnte und wollte nicht anders: Natürlich klingen die Lieder auf
dem aktuellen Debütalbum „Eparistera Daimones“ nun stark nach dem keltischen
Frost, mit welchem vormals die Sinne der Hörer vereist wurden. Ultradüsterer,
verdammter und hypnotisch schleppender Extreme Dark Metal in aller Verzweiflung
mit der gigantischen Schwere von 1.000 gut gefüllten Teermaschinen.

„Den überwiegenden Großteil des neuen Songmaterials
von Triptykon schrieb ich eigentlich ursprünglich für das Nachfolgealbum
von Celtic Frost’s `Monotheist`. [Ein `Triptychon` ist laut Fachliteratur der
Fachbegriff für ein dreigeteiltes Gemälde, bestehend aus einer Mitteltafel
und zwei zumeist etwas schmaleren Flügeln. Solcherlei spezielle Bilder
kamen beispielsweise auch nicht selten in altchristlicher Malerei zur Verwendung;
A.d.A.] Für meine neue Band modifizierte ich die Lieder dann in eine eher
experimentelle, in eine noch dunklere und noch schwerere Richtung“, erläutert
mir Warrior.
Auf die stilistische Kategorisierung seiner neuen Musik an sich angesprochen,
erwidert der von jeher stets sehr eigenständig vorgehende Eidgenosse: „Ich
habe schon lange davor begonnen, diese Musik zu machen, bevor sie sich auch
nur ansatzweise etabliert hat. Und auch heute noch behalte ich mir vor, das
Ganze genau so zu machen wie ich das will. Wenn man es genau nimmt, hat Black
Metal ja etwas von der Musik die ich in den 80ern kreierte – und nicht umgekehrt.
Triptykon ist schlicht extremer dunkler Metal. Enthalten sind Doom- und Black
Metal-Elemente, Klassik-Querverweise, und auch ganz dezente Ambient-Fragmente
sind mit dabei. Alles also Ingredienzien, die ich bereits schon in den 80ern
schuf. Das ist ganz einfach mein Stil. Ich konzipierte ihn in den 80ern und
auch jetzt mit Triptykon spiele ich ihn nach wie vor.“
Höflich, aber entschieden unterbricht Warrior den Gesprächsverlauf, als er mit den ganzen Legionen von Bands der knallharten Schiene konfrontiert wird, die seine Bands Hellhammer und Celtic Frost bis heute als maßgebenden Einfluss nennen. „Darum geht es mir eigentlich gar nicht. Ich habe Musik noch nie gemacht, um Anerkennung zu erhalten. Ganz klar, das sind für mich alles Komplimente, aber dies fühlt sich für mich immer wieder sehr komisch an – ich bewerte mich selbst als Musiker nämlich sehr realistisch. Und in diesem Punkt will ich ebenfalls ganz ehrlich sein: Ich halte mich für einen mittelmäßigen Musiker. Wenn ich ein Talent habe, dann vielleicht das, dass ich eine gewisse Stimmung in meiner Musik zu kreieren imstande bin. Technisch gesehen bin ich absolutes Mittelmaß. Überhaupt, meine Musik ist für mich ein extrem persönliches Ding. Deshalb buhle ich nie um Anerkennung, sondern wenn ich ein Album mache, dann besteht das aus ganz persönlichen tiefen Emotionen. Was andere Leute dann damit anstellen können, ist für mich noch immer äußerst schwer abzuschätzen – nicht zuletzt daher interessiert es mich auch nicht. Es geht mir eben hierbei einzig um spezielle Empfindungen, die ich in mir trage“, verkündet die Züricher Galionsfigur mit aller sympathischen Bescheidenheit.
Wie er weiter dazu ausführt, erlosch das lodernde Feuer in ihm für das Dunkle, das Okkulte und das Morbide niemals: „Da ist etwas in mir, was mich nie wieder losgelassen hat. Somit hatte ich natürlich gar keine andere Wahl, als genau diese, genau meine spezifische Art von Musik zu machen. Ich wollte mich nie mit der Gesellschaft einlassen, ich wollte nie einer von `denen` sein. Wollte niemals einer von Abermillionen lebenden Toten werden. Meine Lieder waren und sind keine Hintergrundmusik, sondern sie peitscht auf, sie bewirkt beinahe schon eine Bruderschaft zwischen mir und den Hörern.“
Wohl wahr gesprochen. Einig war man sich im erfreulich angeregten Dialog daher nachfolgend darin, als Jünger des Übersinnlichen den Göttern der Dunkelheit nicht verfallen zu sein, ja, sondern ganz umgekehrt – denn weder der tapfere Warrior noch der Autor haben sie je wieder aus ihren Fängen entlassen. Der Genrevorreiter fährt abschließend noch munter fort: „Viele Leute haben trotz ihrer vermeintlichen Vorliebe eine eher distanzierte Haltung zu Musik, wie ich finde – nutzen sie sozusagen als Hintergrundbeschallung, um sich abzulenken. Doch für mich es unendlich viel mehr als nur das.“

Wahre Leidenschaft eben, die sich auch im Alltag für diesen gleichfalls außergewöhnlichen wie bemerkenswerten Menschen jederzeit bemerkbar macht, wie er vor mir schließlich auch noch ganz unumwunden bekennt: „Ich kann es eigentlich kaum noch aushalten, als leidenschaftlicher Mensch in einer immer leidenschaftsloseren Welt zu leben. Ich kann beispielsweise beinahe schon nicht mehr ins Kino gehen. All diese ganzen oberflächlichen neuen Filme, die so oft überhaupt keine wirkliche Aussage haben – ohne Tiefgang, einfach schrecklich, absolute Zeitverschwendung. Und das in einem Leben, das ohnehin zeitlich begrenzt ist!“ Genau so ist es.
© Markus Eck
(27.02.2010)