SANCTUARY

"Into The Mirror Black"

(Epic) 10/10

Der Follow-Up des Erstlings „Refuge Denied“. Veröffentlicht im Jahre 1989, konnte „Into The Mirror Black“ nahtlos an den genialen Erstschlag anknüpfen. Von der ersten Minute an erkennt der kundige Hörer auch hier die nie mehr erreichte Klasse dieser Wahnsinnscombo aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Unbegrenzt scheint auch das abartige Talent der Musiker und die Ausgereiftheit der Kompositionen, die in ihrer Erhabenheit eine schier paralysierende Wirkung verbuchen können. Der erste Song „Future Tense“ besitzt gleich alle Ingredenzien, welche die Faszination an dieser wahrlich göttlichen Band ausmachen. Kompakte Rhythmik, unvorstellbare Melodik und traumhaftes Gespür für permanent nachvollziehbares und gleichermaßen anspruchvollstes Riffing mit den anmutigsten und agilsten Gitarren, die deine Ohren seit langer Zeit vernommen haben. Zugegeben, „Into The Mirror...“ verfehlte die amtliche Eingängigkeit des Erstlings zugunsten einer leicht progressiveren Note nur knapp, was der Band jedoch nur noch geil zu Gesicht stand. Dafür sind die Stücke in ihrer Gesamtheit eine Entdeckungsreise ins Land der musikalischen Träumerei mehr als wert. Einmal in ihrem Bann, wirst du dieses Kleinod an Musizierkunst nie wieder aus der zitternden Hand geben.

 

Und wieder ist es Sänger Warrel Dane, der sämtliche Kompositionen auf ein Level zu heben vermag, das andere vergleichbare Acts nicht mal ansatzweise erreicht haben. (Von wohllöblichen Ausnahmen mal abgesehen...) Die in seiner Vokal-Leistung enthaltene Virtuosität setzte Maßstäbe und läßt die Songs in hellstem Schein glänzen. Davon geblendet, bist du in der besten Stimmung, um den Stücken mit angemessener Verzückung zu lauschen. Eine melancholische Dramatik ist unumstritten im stimmlichen Timbre Wane´s enthalten (hervorragend zu erleben im Song „Eden Lies Obscured“). Diese kann ohne viel Firlefanz stellenweise eine betörende Stimmung und charismatische Momente der Versunkenheit erzeugen, die den Reiz an allen Songs noch mal zusätzlich zu potenzieren versteht. Man kann eigentlich gar nicht so recht glauben, was man da zu Gehör bekommt... Am Ende überschlagen sich die Ereignisse dann noch einmal regelrecht und mit „One More Murder“, dem vorletzten Track der Scheibe, bekommst du noch einmal ein mustergültiges Lehrstück an himmlischem Power Metal der absoluten Sonderklasse in die Gehörgänge geballert. Mit dem Song „Communion“ erfährt eine Zauberscheibe einen ihr würdigen Ausklang. Warrel Dane machte 1995 mit einer Band namens NEVERMORE einen Neuanfang und CENTURY MEDIA veröffentlichten die gleichnamige Debütscheibe mit großem Werberummel. Ihr folgte eine auch sehr gute MCD und einige andere hier keine Erwähnung mehr findenden Releases. Auch in diesem Werk spiegelte sich die Berufenheit der wohlklingenden und doch so schneidenden Röhre wieder. Konnte man die Brillianz der SANCTUARY Werke leider nicht mehr erreichen, ist die Platte jedoch allemal empfehlenswert, vor allem für alte Maniacs, die für immer mit Inbrunst an den ersten beiden Scheiben „from one of Seattles Finest“ festhalten.

© Markus Eck

(15.01.2000)