WHIPLASH

„Power And Pain“/„Ticket To Mayhem“

(Displeased) --/10

Verdammt lange hat es ja gedauert, bis sich ein Label endlich dafür erwärmen konnte, diese beiden zeitlosen Album-Klassiker erneut zu veröffentlichen. Hier hat man sie zusammen auf einer CD. Und die ersten beiden Alben dieser legendären Power Thrasher aus New Jersey zählten damals zum absolut Originellsten und auch Besten, was man kannte. Sowohl das köstliche ´86er Überraschungsdebüt „Power And Pain“ als auch der wahrlich sensationelle Nachfolger „Ticket To Mayhem“ von 1987 haben mich bis heute nicht wieder losgelassen. Das begeisternde Verkommenheits-Trio, damals bestehend aus Gitarrist und Sänger Tony Portaro, Drummer Tony Scaglione und Bassist Tony Bono, wies einen unverschämt eigenständigen und ungeschliffen rauen Stil auf, welcher sich von den Legionen zu dieser Zeit ebenfalls weltweit an den Start gegangenen Thrash-Truppen überaus wohltuend abhob. Diese beiden erlesenen Langspieler-Juwelen sind in Sachen Dynamik und Spielfreude bis heute weitgehend unerreicht geblieben, in ihrer Kategorie waren Whiplash die unangefochtenen Besten.

 

Knackiges, wuchtiges und filigranes Riffing, eingängige Songstrukturen beziehungsweise Melodien, gepaart mit göttlich dreckigem Gesang und pfeilschnellem Hyperspeed-Drumming ergaben einen tödlich geilen Gesamtsound. Die Jungs waren wirklich unheimlich fit an den Instrumenten, wurden von damals bis heute jedoch leider zu keiner Zeit so dermaßen in den Himmel gelobt wie all die anderen hinlänglich bekannten 80er-Thrasher – von denen nur ganz wenige in Sachen Intensität und Können den drei Tonys das harte Wasser reichen konnten. Besonders „Ticket To Mayhem“, ganz speziell der darauf enthaltene Übersong „The Burning Of Atlanta“ legten abartig hohes Kreativpotenzial und überschäumende Spielfreude frei. Die ganze Scheibe war ein einziger Höhepunkt an blitzschnell elektrisierenden Thrash-Krachern, auch Überdrucksongs wie der vollkommen bezwingende Opener „Walk The Plank“ oder der quirlige riffende Rausschmeißer „Respect The Death“ rissen restlos mit. Die drei thrashenden Tonys zogen damit weitreichende Klangkreise, was ihnen schnell eine ansehnliche Anhängerschar einbrachte. Beide Alben bieten wirklich oberbrachiale und gnadenlose Power, die einem wie ein Peitschenknall einen Scheitel zieht.

© Markus Eck

(08.06.2005)