ABROGATION
„Sarggeburt“

(Self-financed) 8/10
Mit vielem hätte ich bei diesen bemerkenswert beständigen Vollblutmetallern ja gerechnet, aber beileibe nicht mit einem wahren Hammeralbum wie „Sarggeburt“! Denn die vier Magdeburger Todesdiener zocken ihre aktuellen Kompositionen auf dem vierten Langspieler so frisch, frei und treffsicher, dass fast jeder der 13 Songs mitten ins Schwarze trifft. Herrlich vollmelodisch nuancierter Death Metal der spielkulturell oberen Klasse also, dem es trotzdem weder an künstlerischer Identität noch an Ecken und Kanten gebricht, geschweige denn an Ideenreichtum. Die „Sarggeburt“ vollzieht sich zu Beginn der Platte sogar mit einer genussvoll opulent orchestrierten Introduktion, welche den wunderbar rhythmisierten Titelsong zudem auch innerhalb des Liedes hörenswert veredelt. Technisch wirklich blitzsaubere Gitarrenarbeit vom Besten gibt es hier zuhauf - aber vor allem auch die hochwertigen Refrains der Komposition fesseln einen unweigerlich.

Aber auch die nachfolgenden Nummern strotzen nur so vor lauter tollen Einfällen. Unmissverständliche Liedertitel wie beispielsweise „Eisenketzer“, „Sündenbock“ oder „Fegefeuer“ als auch „Seelenverkäufer“ künden zudem vom erneut mittelalterlich geprägten – und nicht selten erheiternd sarkastischen – Lyrikhintergrund dieser ebenso abwechslungsreichen wie umwerfend schmissigen Scheibe. Und das hier so enorm spielfreudige Hobbyhistoriker-Quartett geizt erneut nicht mit bissiger Kritik an kirchlicher Macht und dementsprechend religiöser Machenschaft. Abrogation besitzen mit Sänger und Rhythmusgitarrist Schwarte zudem noch immer einen angenehm fähigen Frontmann, welcher die Stücke gleichfalls ergötzlich grimmig als auch sogar erfreulich verständlich vokalisiert. Eine richtige Schande, dass die Band diese tolle CD ohne Label im Rücken in Eigenregie auf den Markt bringen musste. Denn auch das ergiebige Zueinanderspiel aller Beteiligten ist nicht selten von bestechender Anmut – da erlischt glatt jeder lodernde inquisitorische Scheiterhaufen wie von selbst.

 

© Markus Eck

(15.02.2010)