ATHLOS
„In The Shroud Of Legendry: Hellenic Myths Of Gods And Heroes“
(Secret Port) 7/10
Eine ganz spezielle, eine sehr
komplexe musikalische Mixtur, wie sie im lyrisch verarbeiteten
althistorischen Kontext nicht interessanter sein könnte, bieten
diese Griechen. Ihr vorliegendes Debütalbum mit dem
symbolträchtigen Titel „In The Shroud Of Legendry: Hellenic
Myths Of Gods And Heroes“ enthält hochepischen und trotz der
beabsichtigt überwiegend sehr stark ausgeprägten
theatralisch-verspielten Anmut alles andere als zahmen Battle Power
Metal – so kann man das Liedgut der Band wohl am ehesten
verständlich kategorisieren. Angereichert ist das recht
progressive Material der Mythentruppe mit hörenswerten furiosen,
zuweilen sirenenartigen Kehlenausstößen und leider nicht
immer ganz geglückten klaren Vokalisierungen als auch mit des
Öfteren recht guten (Keyboard)Arrangements. Apropos, ich
persönlich bemerke spätestens in der Mitte der
Gesamtspieldauer, dass dem Teller eine nicht gerade kleine Portion an
Homogenität abgeht – nächstes Mal sollte Hauptinitiator
Polydeykis etwas weniger Gastmusiker in die Stücke lassen, dann
hört sich seine Musik auch mehr wie aus einem Guss an.
Dennoch erfrischt mich das Kompositionsmaterial von Meister Polydeykis
immer wieder sehr, denn allein schon die überraschende
Ungewöhnlichkeit des Dargebotenen an sich ist von einiger
Seltenheit im verkommerzialisierten Genre Metal. Galoppierende
Rhythmiken stehen dabei nebst wuchtig umgesetzten Doom
Metal-Querverweisen ebenso auf dem außerordentlich
abwechslungsreich erklingenden Programm wie auch stimmungsvollste
Folkloreelemente (Akkordeon, Flöte Sackpfeifen) und so einige
spannende Rezitativpassagen – auch Frauengesänge bringen
sich neben beschwörenden Choreinsätzen immer wieder ziemlich
zweckdienlich ein. Programmatisch inspiriert sind Athlos von uralten
hellenischen Mythen und Sagen, und die fesselnde griechische
Vergangenheit erfährt durch facettenreiche Songs wie
beispielsweise „In The Vineyards Of Dionysus“, „The
Wrath Of The Hekatonkheives“, „Aegean Blue
(Poseidon’s Realm)“, „Ulysses Before The Gates Of
Hades (Necromantia)“ oder auch „The First Faun (Song Of The
Elder)“ sehr ergiebige klangliche als auch textliche
Wiederbelebung. Ja, teils entströmt „In The Shroud Of
Legendry: Hellenic Myths Of Gods And Heroes“ gar eine
überaus hörspielartige Aura, was das Hören der enorm
variantenreichen Veröffentlichung zu einer ebenso ebenenreichen
wie unterhaltsamen Angelegenheit macht. Für Letzteres zeichnet auf
diesem bezirzend mystischen Album auch nicht wenig eine erhebliche Old
School True Metal-Attitüde innerhalb einiger Lieder verantwortlich
– und genau die ist hier so deftig, dass selbst beinharte
80s-Fetischisten, ewige Schwermetall-Kultjünger, Epikstahl-Freaks
und verschworene Kutten-Banger Gefallen an der nonkonformen Platte
finden dürften. Perfektion findet man hier jedenfalls nicht
– aber ehrliche, bereichernde und gut gemeinte Songs allemal,
zudem strotzend vor kreativen Ambitionen.
©
Markus Eck
(19.06.2010)