BIFRÖST
„Heidenmetal“
(Einheit) 9/10
Schon gleich der mitreißend unbändige Opener „Normannenzorn” erweckt
riesengroße Gelüste darauf, ein bis oben hin aufgefülltes großes
Trinkhorn zum Munde zu führen – denn die sensationelle Nordgeistermusik
dieser hochpotenten Newcomer definiert doch glatt den Terminus „Epic Pagan Metal-Begeisterung“
komplett neu! Wahrlich, solch’ fesselnd hymnisches neues Liedgut hat man als
Verehrer dieser Stilistik schon viel zu lange nicht mehr vernommen, nicht mal
von den allermeisten etablierten skandinavischen Horden. Doch die schmissigen
Kompositionen der erzheidnischen Klangschlachtenhorde Bifröst erscheinen
frischer und reiner als frühmorgendlicher Tau – mit riesenhafter Epik,
mit triumphalem Zornesgroll und dabei auch noch herrlich feierlich stimmend
geht der österreichische Gewittertrupp auf dem aktuellen Debütalbum
„Heidenmetal“ ans grimmige Werk. Das wirklich verdammt gut gelungene Frontcover-Gemälde
von Mike Schindler's kultiger Grafikschmiede Dragon Design hätte wohl auch
in Sachen Motivwahl nicht mehr besser angelegt werden können. Dass Bifröst
absolute Überzeugungstäter sind, das sprach sich auch bis nach Asgard
herum. Da die uralten Götter diesen Verschworenen daher also bis heute
wohl gesinnt sind, wurden im Zuge dessen einige frenetische Live-Konzerte aufgespielt,
unzählige Bierbecher geleert und aus der herrlich rohen Kraft des Hopfenrausches
heraus gleich neue Hammerhymnen für „Heidenmetal“ geschrieben. So verkrochen
sie sich irgendwann in eine moosige Trollhöhle, um ihre hochharschen Heidenklänge
auf einen Tonträger zu bannen: Heraus kam dabei „Heidenmetal“, ein ebenso
druckvolles wie gehaltvoll kräftiges Huldigungsmanifest uralter Sagen und
Legenden. Und diese Großtat kündet nun vom gigantisch guten musikalischen
Können der obertalentierten Bifröst-Meute.
Sie brauchen keine Geschwindigkeitsextreme, ihre Sache sind die mittleren Tempi, majestätisch und getragen – und hierbei kommt der kreative Gehalt der Lieder auch am besten zur Geltung. Und da dürfen natürlich auch weit erstrahlende atmosphärische Keyboard-Epen nicht fehlen, welche auf dem Album zuweilen mit allem Bewusstsein für Zeitlosigkeit offeriert werden. Oftmals von ergötzlich wuchtigen Double Bass-Trampeleien unterlegt, erdonnert das Schlagzeug glücklicherweise durchgehend zweckdienlich, ein absoluter Hochgenuss für Kenner, ebenso wie die von Anfang bis zum Ende wirklich berauschende Gitarrenarbeit samt all ihren erfreulich facettenreichen Emotionsnuancen. Und hierin stimmen nicht nur der hochgradig hitverdächtige Melodienanteil, sondern auch all die fidelen Folkloredarbietungen, primär mit Fideln und Akkordeonklängen inszeniert, mit denen diese urwüchsige Musikantenrotte zwischendurch gerne ihre so natürlich wirkenden Lieder veredelt. Gold wert: Gegründet 2005, verfügt die aus erobererischen Recken bestehende Melodikerbande bereits jetzt über einen völlig eigenständigen, individuellen und auch unverkennbaren Stil, der sich so schnell in die Sinne brennt wie ein Freudenfeuer Holz verzehrt. Eine echte Freude – denn dermaßen kompositorisch kompetente Heidenbrigaden sind nur noch sehr selten auf der Bildfläche des Genres zu sichten beziehungsweise zu hören. Dazu noch urkernig und gefährlich bissig vokalisiert, mit Furcht erregenden Stimmklängen eines bis aufs Äußerste gereizten Eisriesen, entwickeln die effizienten Stücke der aufmüpfigen Kerle aus der Alpenrepublik auf diesem heftigen Langspielspektakel einen beinahe magischen Musikzauber von unvergesslicher Wirkung!
© Markus Eck
(05.12.2009)