BLACKSHORE
„Railway To Blackshore”

(Düsterwald) 7/10
Wenn provokant krude Kompositionstitel wie beispielsweise „Frostbitten Warmachine“ oder „Stalinorgel Terrorbeast“ auf Schwarzmetallscheiben auftauchen, denkt man schnell an die x-te Endstille-Kopie. Doch in diesem Fall gestaltet es sich anders, denn die tiefdunkel gesinnten Lübecker Black Metal-Herzen Blackshore verfeuern ihr abwechslungsreiches Material mit Respekt abringender Eigenständigkeit. Überhaupt, das kreative Kaliber der aktuellen Albumkanone „Railway To Blackshore” ist ziemlich groß – denn es kracht hier nämlich nicht nur mit gehöriger Thrash-Schlagseite nach Maß, sondern das spielfreudige Trio Infernale walzt auch bedrohlich schleppende Doom-Passagen ab, wie sie desolater und düsterer nicht klingen könnten. Typisch skandinavisch Anmutendes blitzt hier und da zwar gekonnt gemacht durch die Songstrukturen, doch vom belanglosen Nachäffen großer Genrevorbilder sind die drei Lübecker Wüteriche weit entfernt. Vielmehr erschließen sich bei aufmerksamen Hören von „Railway To Blackshore” immer wieder neue interessante Feinheiten, darunter beispielsweise sogar ebenso ungewöhnliche wie reizvolle Vokalduette aus keifendem Kreischvortrag und entrücktem Weibsgesang!

 

Und nicht nur die bemerkenswerte starke Schlagzeugarbeit mitsamt ihren vielfältigen Taktakzenten treibt hier gleich literweise dampfenden Detonationsschweiß aus dem dicken Geschützlauf, auch die schweinisch heftigen Riff-Salutierungen verpeitschen einem höllisch rockend die Trommelfelle. Knackiger Black’n’Roll also? Mitnichten, dafür kreuzt der derbe Dreier musikalisch viel zu dramaturgisch, viel zu klagend und viel zu abgründig auf. Ja, zuweilen sogar trotz aller offerierten Extremität recht atmosphärisch am mächtigen Werk, zieht die so lustvoll ballernde Blackshore-Horde durchgehend abwechslungsreich vom Leder. Jedes Lied auf dem ziemlich unterhaltsamen Silberdiskus kann somit vollkommen für sich alleine stehen – und deutlich ist dabei auch überwiegend zu hören, mit welch’ festem Biss und mit welch’ riesiger Entschlossenheit die Beteiligten für ihre Sache rangehen.

 

© Markus Eck

(23.01.2010)