CREMATORY
„Infinity“
(Massacre) 9/10
Ein ebenso wertvolles wie – im positiven Sinne – schwer wiegendes Geschenk,
sowohl für treue alte und neugierige neue Fans, ist dieses famose neue
Crematory-Albumspektakel geworden. Man muss es einfach auf voller Lautstärke
auf einer leistungsstarken HiFi-Anlage hören, was Vokalist Felix &
Co. hierfür gezaubert haben! Die Nachbarn werden nichts dagegen haben,
denn: Die Gothic Metal-Veteranentruppe hat sich erschreckend viel Mühe
mit ihren neuen Kompositionen gegeben – dermaßen ebenen- und gefühlsreich
erschien die Band einem ohnehin nie zuvor, doch die beständigen Pfälzer
Instinktkönner bieten auf „Infinity“ sogar herrlich knallhart getaktete
Thrash-Attacken der rigiden Klasse dar. Verdammt mächtig, wie das nach
allen Regeln der Kunst fetzt. Apropos: Zweifel an seinem musikalischen Treiben
zerfetzt das Quintett hiermit so leicht wie ein Samuraischwert einen Bambustrieb.
Und die thrashigen Übergriffe aufs zentrale Nervensystem werden stets so
vorzüglich intensiv und harsch getrommelt, dass stillsitzen bleiben einfach
nicht möglich ist. Dafür sorgen auch die sehr hörenswerten und
nicht selten animierend kritischen Songtexte, welche kongenial in die Stücke
eingebracht wurden – manchen stimmungsvollen und packenden Refrains wohnt gar
massiver Gänsehautcharakter inne.
Ich nenne es ein richtiges Kunststück, was hier so alles an Einflüssen, Ideen und Impulsen zu einer absolut homogen anmutenden Gesamtmischung ertragreich vermengt wurde – deutlich ist zu verspüren, mit wie viel grenzenloser Liebe, immenser Hingabe und hektoliterweise Herzblut hierfür von den Beteiligten vorgegangen wurde. Überhaupt, Crematory sind mit „Infinity“ ein hoch zu respektierendes Paradebeispiel dafür, wie man als Band selbst in solch’ einem Metal-Subsektor lange Jahre glaubwürdig und dabei auch noch erfolgreich bleiben kann. In Sachen Gitarrenarbeit erwartet man sich als profunder Kenner der Vorreitergruppe vollfette Riff-Kunst nach Maß, doch sogar auf diesem Sektor haben sie aktuell einen ganzen Zacken an Souveränität und Dynamik zugelegt, wie Saitenmann Matthias Hechler hier mit Bravour beweist. Überlegt kontrastierend zu solcherlei brachialen Dampfwalzeneinsätzen lassen Crematory auf der enorm abwechslungsreichen Effizienzscheibe so einige berauschend balladeske Gefühlsausbrüche tief berührend erblühen; dermaßen hochemotional atmosphärisch erlebt man wirklich nur noch Weniges aus diesem Bereich so hochgradig authentisch und einnehmend. Zum anhaltenden Schwelgen. Ich halte bekanntlich rein gar nichts vom christlich übel verfälschten „Weihnachtsfest“ samt seinen perversen Auswüchsen, doch mit „Infinity“ lasse ich mich heute an diesem Tage nur zu gerne bedenken. Denn nicht nur innerhalb der erfreulich zeitlos gestalteten Semi-Balladen erzeugen hoch erhebende Growl- und Klargesänge nebst fantastisch nach oben erperlenden Keyboardintermezzi betörend sphärischer Natur einen famos schmeckenden Klangnektar, an dem sich j-e-d-e-r Gothic Metal-Fan endlos ergötzen, ja, benebelnd berauschen kann. „Infinity“ geht ans Herz. Versprochen.
© Markus Eck
(24.12.2009)