GWYDION
„Horn Triskelion“
(Trollzorn) 9/10
Bereits mit ihrem glanz- und melodievollen 2007er Debütalbumserfolg „Ynys
Mön“ konnten sich diese portugiesischen Extrakönner direkt in die
Heidenherzen vieler Liebhaber solcherlei Klänge spielen – denn diese absolut
zeitlose Hammerscheibe bietet einen packend hymnischen Mix aus Pagan-, Folk-
und Viking Metal. Nun endlich hat die furiose Rabaukenhorde den ersehnten Nachfolger
fertig gestellt – und mit der neuen Liedersammlung „Horn Triskelion“ gelang
ihnen ein enorm tiefsinnig-dramaturgisches Epos voller Leidenschaft, Schönheit
und Epik. Notensicher versiert und musikalisch hochstabil zusammengezimmert,
ist auch dieser prächtige Silberschild von allerfeinster Güte! Denn
dahinter verbirgt sich eine wahre Fundgrube für Kenner und Genießer
an kraftvollsten Instrumentierungen, triumphal zelebrierter Mundkunst, mächtig
orchestrierten Arrangements und riesengroßem Variantenreichtum. Außergewöhnlich
aufwändig und mit überraschend vielen genusvollen Finessen staunenswert
kunstvoll produziert, erstrahlen die enorm gehaltvollen neuen Hymnen des Quintetts
mit gleißendem Schein. Eine reife Leistung, für die neben wahrlich
famosen Tonfolgen nicht zuletzt auch die hervorragend durchdachten Aufbauten
der spannenden Strukturen verantwortlich zeichnen.
Überhaupt, allzu selten ging eine Gruppe in diesem Bereich dermaßen ideenreich vor – was immer ein aufrechter Jünger dieser Stilistik sucht, hier wird er es finden. Denn ganz egal, ob man nun in martialisch hernieder prasselnden Gitarrengewittern stehen möchte, ob man sich in gewaltig tosende Trommelstakkati hinein wagen möchte, ob man seinen Geist an heroischen Epiken hemmungslos berauschen möchte, ob es einen in vollmelodische Hitbereiche treibt oder ob man verzückt in spektakulär-majestätischen Filmsoundtrack-artigen Klangreichen schwelgen will – Gwydion machen’s möglich. Und sie haben es einfach verdammt gut drauf! Das gilt auch für die oftmals wirklich fulminanten Keyboardkaskaden: Fanfarenartiges Stromorgelspiel ist hier nämlich nicht nur kosmetisch schmückendes Beiwerk, sondern Tastemann Dani liefert seinen vorzüglichen Beitrag in absolut zweckdienlicher Manier ab – und verwandelt die Kompositionen damit in mächtige Großtaten. Dazu gehen die Portugiesen um ihren heraus stechenden Vokalisten Ruben hier auch geradezu verschwenderisch mit spieltechnischen Artistiken vor, was eins ums andere Mal zu begeistern weiß. Doch Gwydion wären eben nicht Gwydion, wenn sie nicht auch noch den überaus ästhetisch gestalteten und nicht unwesentlichen Anteil an stimmungsvollster Folklore auf diesem Spitzenalbum mit Bravour gestaltet hätten – so findet der geneigte Hörer auf „Horn Triskelion“ eine Vielzahl davon in Form von verführerisch feinen Akustikschätzen vor. Eine wertvolle Veröffentlichung, die das glorreiche Zeitalter großer Krieger, mutiger Helden und monumentaler Dramen in goldenes Licht taucht.
© Markus Eck
(22.01.2010)