HORNCROWNED
„Casus Belli Antichristianus”

(Ketzer) 7/10
„Armageddon“ bezeichnet in der ach so tollen Offenbarung des frühchristlichen Möchtegern-Propheten Johannes bekanntlich den Austragungsort der endzeitlichen Entscheidungsschlacht im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“ – nun, den hat der „allmächtige“ Alte schon verloren, bevor er angefangen hat, denn einem so erbitternden Gegner wie Horncrowned ist er nicht mal ansatzweise gewachsen. Doch von solcherlei humoristischen Erwägungen nun zur Musik auf dem neuen Machwerk dieser vierköpfigen kolumbianischen Höllentruppe: Konnten sie schon mit dem schnittigen 2007er Albumvorgänger sowohl Fans als auch Spötter jeweils stark polarisieren, wird es dem aktuellen Blasphemiewerk „Casus Belli Antichristianus” wieder exakt genauso ergehen – denn hier heißt die Devise ganz einfach „Lieben oder Hassen“. Vor allem Wohlklang-Fetischisten können sowieso gleich aufhören zu lesen, denn bei Horncrowned regiert nach wie vor der Knüppel mit roher Macht, und er macht keine Pause.

 

Das verbissene Black Metal-Quartett aus Bogotá signalisiert hier bereits wieder vorab mit Albumcover, Songtiteln und Staffage, um was es ihnen einzig geht: Um hyperschnell rhythmisiertes, ultraböses und megahartes Schwarzmetallgeballer, mordsheftig ohne Ende, teuflisch fies und von immens räudiger Verkommenheit. Dennoch nicht ohne kompositorisches System, wie man mal wieder rasch feststellen kann – denn die hektischen Strukturen des oberkruden Streitlustmaterials sind nur vordergründig diffus. Hört man genauer hin, erschließt sich das profunde Arrangierungskönnen der erbarmungslosen Satansgruppe mehr und mehr. Ja, was die Horde auf dem Album mit ihren verheerend gemeinen Riffs anrichtet, kann sich auch in Sachen versierte Spieltechnik ziemlich gut hören lassen – erfreulich ist in diesem Zusammenhang für mich auch, dass hin und wieder sogar erzdiabolische Melodien von Horncrowned verwendet werden, wie gleich der gemeingefährliche Opener „Lucifer's Flamethrower Horde (Thy Demonical Squad)“ aufzeigt, welcher der atmosphärisch-düsteren Introduktion „Outbreak Of War (Twilight Of Fire)“ folgt. Atemberaubend infernalisch und extrem wie selten im Black Metal geht es auch nachfolgend auf „Casus Belli Antichristianus” her, das genauso ultragehässige wie temperamentvolle Bogotá-Kommando spielt nicht selten um sein Leben! Überkochende Leidenschaft also, wie man sie in diesem Metier nur allzu selten erleben darf. Ja, diese vier entflammten Südamerikaner sind deutlich hörbar verdammt wütend auf den „Christengott“ und das ganze verlogene Getue drum herum: Sie fragen sich nämlich vor allem, wie es denn überhaupt sein kann, dass die Elendsviertel ihres geschundenen Landes immer noch größer werden, während die internationale katholische Kirche nach wie vor auf all ihren Milliarden und Abermilliarden von blutigen Dollars hockt und auch in Bogotá gleichzeitig noch immer heuchlerisch ständig die Heilsbotschaft nach allen Seiten verkündet. Eine aufrichtige Antwort darauf wird es von Seiten dieser global herrschenden religiösen Machtinstitution so schnell garantiert nicht geben – nicht zuletzt daher erscheinen eben zornige Scheiben wie „Casus Belli Antichristianus”. Und, ganz egal, wie man nun zu dieser verdammt bestialischen Ketzerplatte steht, eine fesselnde Lehrstunde an größtmöglicher Intensität ist sie allemal.

 

© Markus Eck

(05.02.2010)