NEGURÃ
BUNGET
„Vîrstele Pamîntului”
(Aural) 10/10
Behexend magisch, mit unfassbarer spiritueller Tiefe, hypnotisch übersinnlich
und künstlerisch aufwühlend gewaltig – in zwei Worten: „Vîrstele
Pamîntului”. Unglaublich. Aber wahr. Den beständigen transsilvanischen
Folk Black Metal-Visionären Negurã Bunget gelang mit unendlicher
Hingabe ein fantastisches, besser gesagt sensationelles (und nichts weniger)
Superalbum, wie man es in dieser bestechenden Reinheit und riesigen Wertigkeit
wohl nur kreieren kann, wenn man sich mit den uralten Naturgöttern auf
immer inniglich verbrüdert hat. Vollends bezirzende Panflötenklänge
und kuhglockenartiges Geläut sorgen neben herrlich fragilen Akustikgitarrentönen
und urigem Holzstockschlagen zu Beginn für anhaltend intensive Gänsehaut
– archaische altrumänische Folklore vom Allerfeinsten. Nach circa vier
Minuten gesellen sich beschwörend gesungene Anrufungen dazu, die durch
Mark und Bein gehen. Beeindruckend. Gellend-zornige Schreie folgen… Dann beginnt
blanker naturreligiöser Wahnsinn – und „Vîrstele Pamîntului”
entlässt dermaßen prächtige musikalische Schönheiten aus
dem kreativen Schoß dieser begnadeten Individualistengruppe, dass absolute
Sprachlosigkeit noch die harmloseste Wirkung ist.
Überhaupt, die Band zeigt sich auf „Vîrstele Pamîntului” kompositorisch
so ideenreich wie ein großer Erfinderclub zusammen, man höre allein
all die bestechend genialen und durchgehend mit bezaubernder Brillanz melodisierten
Riff-Konstrukte! Aber auch vor der beängstigend guten, vor der löblich
noblen Schlagzeugkunst samt all ihren exzellent eingetrommelten Rhythmusmustern
muss man als ernsthafter Anhänger solcherlei Kunst eigentlich devot niederknien.
Das Ganze mutet an wie eine gezielt nach dem (Über)Sinn allen Daseins suchende
Geistreise durch die ganze Erde hindurch und wieder zurück. Mit grandios-phänomenalen
Synthesizer-Atmosphären von scheinbar niemals zuvor gehörter, dunkelsurrealer
Hochepik untermalen diese wahren Großmeister ihrer Zunft auch die nächsten
hochmajestätischen Epikkompositionen auf „Vîrstele Pamîntului”
– und sie entführen dabei in eine vollkommen immaterielle Zauberwelt, ins
düster pulsierende Ewigkeitsreich von Negurã Bunget. Schicksalhaft.
© Markus Eck
(03.03.2010)