AXEL
RUDI PELL
The Crest
(Steamhammer) 8/10
Beim Frontcover von The Crest schwört man auf Andreas Marschall,
bei der Musik auf brillantes Handwerk doch nur Letzteres trifft zu. Denn
das gelungen-stimmungsvolle Bild stammt vom talentierten britischen Grafiker
Martin McKenna, dessen Stil dem des deutschen Kollegen hier gefährlich
nahe kommt. Die unter diesem Signum gebotene Musik jedoch ist glücklicherweise
unverwechselbar, und das ja nun schon bereits seit vielen Jahren. Die neue Liederkollektion
des leidenschaftlichen Wattenscheider Gitarristen wurde rasch mit einigem Presselob
bedacht was auch mich mal wieder auf den Plan rief. Schließlich
gilt: Meister Pell ist gut fürs Trommelfell. Nun höre ich die Scheibe
zum vierten oder fünften Mal, und kann getrost feststellen: Axel Rudi Pell
liefert mit seiner treuen Band erneut eine hochsolide und angenehm zeitlose
Leistung ab. Besonders Vokalist Johnny Gioeli schien diesmal alles auf eine
Karte zu setzen, denn so inniglich und voller inbrünstiger Hingabe hat
man ihn bei Pell nicht oft gehört, wenn so überhaupt. Auch der Rest
der Instrumentalsektion haut auf diesem sage und schreibe 13ten Studioalbum
amtlich auf den Putz die souverän-schwungvollen Leistungen von Supertrommler
Mike Terrana muss man wohl nicht gesondert erwähnen. Auch wenn es hier
und da den Anschein hat, dass man gewisse Riffmuster und Strukturen bereits
schon mal auf einem Werk des Ruhrpott-Heroen vernommen hat, generiert die durchgehend
schön ungekünstelt anmutende Platte schnell gute Laune denn
vor allem die für Pell typischen markanten Melodielinien samt ihrer jeweiligen
epischen Komponente schmeicheln den Sinnen mit ihren sehr eingängigen Geradlinigkeiten.
Tatsächlich hätten einige der Kompositionen auch schon auf den Frühwerken
platziert sein können, was in immens erfreulicher Weise verdeutlicht, dass
Individualist Axel Rudi nach wie vor nichts von Trends hält.
© Markus Eck
(12.06.2010)