ROTTING CHRIST
„Aealo“

(Season Of Mist) 10/10
Beeindruckend. Nicht nur, dass diese wirschen Hellenen seit mehr als zwei vollen Dekaden ihrem unheiligen Black Metal-Treiben frönen, nein, nun ist ihnen mit dem neuen Album auch noch eine herrlich mächtige Symbiose aus seriös-ernsthaftem Schwarzmetall und hypnotischen Ethno- beziehungsweise Folkloreelementen geglückt. Das hatten sie doch schon auf dem sehr erfolgreichen Vorgänger „Theogonia“? Stimmt genau, aber so dermaßen stimmig, homogen und gekonnt einander verwoben wirkten die Bestandteile darauf nicht, wie es aktuell der höchst erfreuliche Fall ist. Auffallend liquide in die Ohren rutschende Instrumentierungen von technisch höchstem Anspruch ermöglichen schon mal absolut reibungsloses Hören, und die Athener Rotting Christ veredeln ihre verdammt stabilen Liedkreationen auf „Aealo“ mit nachhaltig betörenden Beschwörungsritualen altschamanischer Klanganmut. Nicht wenig davon hat man so überhaupt noch niemals zuvor irgendwo vernommen. Also sehr atmosphärisch, das Ganze, das trotz gewisser pflichtbewusst erfüllter Standards an Härtegraden nicht selten sehr gefühlvoll rüberkommt – die Mischung ist einzigartig, das könnte sich die standhafte griechische Veteranenhorde eigentlich patentieren lassen. Das Gebotene ist, obgleich extrem, aber gerade deswegen Kunst in Reinkultur, Kunst, wie sie eben nach den Regeln der Leidenschaft sein soll. Ganz im Gegensatz zum Bandnamen ist hieran also überhaupt nichts faul – denn auf „Aealo“ stimmt einfach alles: Attitüde, Authentizität, Glaubwürdigkeit, Innovation und Können.

 

© Markus Eck

 

(04.02.2010)