TANTALOS
„Fiat Lux“
(Naturmacht) 8/10
Einen historischphilosophisch
wirklich hochinteressanten Namen hat sich dieser schwarzmetallische
Alleinunterhalter aus Baden-Württemberg als überdachenden
Begriff für seine nicht minder interessante Individualistenmusik
zugelegt. Und: Nicht minder einer Beleuchtung wert erscheint mir der
Albumtitel – unter dem Terminus „Fiat Lux“
(lat.: es werde Licht) existiert laut seriösen Quellen bekanntlich
primär eine 1980 gegründete neue religiöse
Sektenbewegung beziehungsweise ein Orden, welcher von den darin
agierenden Protagonisten als religiöse Neuoffenbarungsbewegung
gesehen wird. Zu solcherlei Treiben wird global alltäglich genug
Irres beziehungsweise Verunglimpfendes berichtet, doch, wie auch immer:
Ein „erhellter“ Geist kann ja so schlecht für den
Menschen gar nicht sein – eröffnet er dem Inhaber
schließlich in letzter Konsequenz stets ein anderes
beziehungsweise modifiziertes Weltbild, als dies von Massenmedien und
Machthabern seit jeher versucht wird vereinheitlichend zu prägen.
Im Namen der Misanthropie und philosophischer Erwägungen
gründete er Tantalos 2008 daher, und der betont depressiv
geprägte, extrem emotionale Black Metal auf dem extrem
hörenswerten Debütalbum „Fiat Lux“ transportiert
trotz aller gefühlsmäßigen Schwere eine Vielzahl an
faszinierenden Stimmungen und Befindlichkeiten ins
Hörerbewusstsein. Dabei geht der hörbar weltflüchtige
Urheber sehr eigenständig vor, was bei der großen Zahl
ähnlich operierender Konkurrenten nicht hoch genug gewürdigt
werden kann.
Die Homogenität in Sachen Emotionalitäten, die „Fiat
Lux“ mit sich bringt, entführt einen bei entsprechender
Hingabe weit aus dem Selbst heraus – für Letzteres zeichnen
auf dieser enorm desolat stimmenden und gerade dadurch vielleicht sogar
so unterhaltsamen Menschenhasserscheibe vor allem viele labend
besinnliche Passagen mit eher moderat angelegten Sphären
verantwortlich. Ein Verdienst, welches beileibe nicht vielen
Gruppen beziehungsweise Einmann-Projekten aus dem Metier dermaßen
authentisch glückt. Überhaupt, rein gar nichts scheint hier
genretypisch zu sein – nicht selten mutet das verzehrend
tiefgründige Liedmaterial von Tantalos gar stimulierend
surrealistisch an, was voll beabsichtigt scheint. Daneben dienen vor
allem symbolschwangere Doom Metal-Passagen als enorm tragfähige
Vehikel, um schwerste melancholische Sehnsüchte zu transportieren.
In gigantischer Verzweiflungsanmut werden die nicht allzu schnell
rhythmisierten Kompositionen hochinbrünstig bekreischt, untermalt
von den gefühlvollsten Tastenklängen, die man sich bei dieser
Musikart überhaupt nur vorstellen kann. Während die moderne
„schöne neue“ Welt da draußen also bald nur noch
infantilem „Partymachen“, unvorstellbarer Verblödung,
abstoßender Pervertierung und künstlichem Konsumdrang
huldigt beziehungsweise die Steigerung eigener Ego-Belange im Geist zu
haben scheint, frönt dieser hier mit seinen Klängen viel
lieber der Verwirklichung ureigener Ansichten und Neigungen. Gut so.
Ein höchst willkommener Underground-Release also mit angenehm zu
hörendem Facettenreichtum, mit Herz und Seele und vor allem mit
unermesslich zivilisationsfeindlichem Charme, der dauerhaft meine
vollste Sympathie genießen kann. Dass sich der bekennende
Nietzsche-Verehrer im Beiheft jedoch gut gelaunt mit einer Zigarette im
Mund präsentiert, dazu soll sich jeder Hörer selbst seine
Meinung machen – wer jedoch einigermaßen weiß, wie
viele toxisch wirkende und vor allem neuronal konditionierende
Wirkstoffe die international verschworene Tabakindustrie in solcherlei
Erzeugnisse mixt, ist definitiv gesundheitlich und auch psychisch
besser dran.
©
Markus Eck
(18.06.2010)