TARABAS
„Das neue Land“

(Trollzorn) 9/10
Das 2007er Debütalbum „Aus alter Zeit“ zeigte bereits eindrucksvoll auf, es bei dieser Metallerhorde mit äußerst entschlossenen Recken zu tun zu haben. Boten die entflammten Magdeburger Epic Pagan Metal-Stürmer Tarabas auf ihrem Werk doch reihenweise tolle Kompositionsideen, feine Melodien und vor allem harsch mitreißende Instrumentalpassagen dar. Nicht selten mit frenetischer Begeisterung verfasste Rezensionen waren neben beachtlichem Erfolg in den Reihen der Fans solcherlei Klänge die Folge. Die letzten Monate verbrachten die Beteiligten immer noch emsiger damit, den würdigen Nachfolger bestmöglich auszuoptimieren – und hier ist er nun. Der neue Diskus kommt in Sachen Frontcover, Begleitheft etc. zudem mit allerfeinstem Grafiklayout daher, was die mittels Kriegermusik und durchdachter Textlyrik ohnehin erzeugte kämpferische Gesamtstimmung zusätzlich festigen kann. Und gleich fällt mir auf, dass das bewährte Gitarristenduo Alexander „Kutte“ May und Karl-Ludwig „Ludo“ Stephan zwei Merkmale ihres erneut sehr gut geübten Zusammenspiels für „Das neue Land“ weiter üppig kultivieren konnten: Nämlich die Eingängigkeiten der Melodien und die Markanz der schmissig erdonnernden Riff-Aufbauten. Und Letztere sind durchgehend fesselnder Natur. Ergänzend sind riesige Intensitäten und nachhaltig wirkende Eindringlichkeit auf der Habenseite dieser ausgesprochenen Enthusiastentruppe zu verbuchen. Selbst viele der noblen Saiten-Soli gelangen der Griffbrettfraktion fantastisch, an einigen davon kann man sich schier nicht satt hören. Dazu oftmals aufschreckend bissig vokalisiert mit der betörend wuchtigen Inbrunst von 1.000 angriffslustigen Kriegerseelen – und, bis auf die wenigen etwas monoton wirkenden Todesblei-Kehlenaufwürfe in all ihrer übertrieben wirkenden Derbheit muten die gesanglichen Attacken schön passend zur Musik an.

 

So verdeutlicht sich die neue Marschrichtung der Magdeburger Idealisten sogleich gänzlich im ersten Song, mit dem die fitte Horde einen spektakulären Spannungsbogen scheinbar kilometerhoch ins Hörerbewusstsein hinaufzimmert. Und auch sonst hat diese ausgesprochene Herzblutband so manche spannende Überraschung in petto, wie beispielsweise höchst verführerische Keyboard-Intermezzi, mit denen überragende atmosphärische Nuancen in den Gesamtsound eingeschliffen werden. Dass die verantwortlichen Songschreiber privat sehr viel traditionellen Metal hören, kommt der ganzen Platte hörbar heftig zugute. Überhaupt, die triumphal-majestätisch getragenen Strukturen der neuen Tarabas-Lieder sind ein wirklich hervorragend homogenisierter Mix aus saftigen Mid- und stramm galoppierenden Up-Tempo-Arrangements, dadurch also genussvoll ausgewogen anmutend und – wichtig! – jederzeit bestens nachvollziehbar. „Das neue Land“ ist eine von genau den Scheiben des Metiers, die man nicht gleich beim ersten Mal komplett erfassen kann, dafür ist sie viel zu komplex – wer aber sich die nötige Zeit nimmt, der entdeckt nach und nach immer mehr wertvolle Ingredienzien, welche sich zu einem richtigen Genre-Schatz zusammenraufen. Zwei Faktoren sind auf diesem herausragenden Album zudem auch ständig präsent: Nämlich hoch erhabene Epik und tiefsehnsüchtige Melancholie – und diese beiden Elemente runden so mancherlei heftige Rhythmusexplosion noch famos ab. Ja, denn wenn das seriös agierende Orkanquartett martialischere Gangarten anschlägt, dann aber so richtig – und somit kann man sich als geneigter Zuhörer hierauf an vielen gar eruptiv kulminierenden Böller-Stakkati erfreuen. Ein Fest, wenn Tarabas ihre musikalische Macht bis zur aufopfernden Selbstvergessenheit zelebrieren – hier zu hören auch in heroischen Chören! Und gleichfalls eine ergötzlich reinharte und enorm sinnreiche Veröffentlichung, deren gleichfalls grundehrlichem wie auch unleugbar kommerziellem Potenzial man sich nicht entziehen kann.

 

© Markus Eck

(25.11.2009)