THORMESIS
„Vergangene Asche“

(Düsterwald) 7/10
Überwiegend erfreulich eigenständig gehen diese mittelfränkischen Heidenhaudegen auf ihrem neuen zweiten Album vor – wobei neben der melodisch differenzierten Grundanmut der Gruppe vor allem ganz besonders die immer wieder verzückt eingebrachten Choreinsätze auffallen. Die „Vergangene Asche“, sie qualmt noch – und birgt hymnischen Pagan Metal in der Glut, der seine urwüchsige und raue Kraft aus schwarzmetallischem Subkulturgut ebenso bezieht wie aus dem ästhetisch orientierten Melodic Death Metal-Bereich. Gegründet wurde die mit hörbarer Bedacht auf Originalität agierende Rotte im Sommer 2006 in Rothenburg ob der Tauber – und die mächtige Spielfreude, mit der die Beteiligten ihr solides Material hier präsentieren, hat sich hoffentlich nicht nur dort schon in alle Windesrichtungen herumgesprochen. Das 2008er Debüt „Gehet hin und kämpfet“ liegt mir nicht vor, somit kann ich in Sachen Weiterentwicklung nichts erwähnen, doch Thormesis erweisen sich hier so oder so als überaus ambitionierte Musikanten, die mit sehr viel Hingabe am Werk sind.

 

Gerne kontrastieren sie ihre erfreulich bodenständigen und genretreuen, aber dennoch löblich variantenreichen Kompositionen mit reißerischen Hochgeschwindigkeitspassagen, und hierbei haut der Trupp immer wieder mächtig drauf! Gerade der ergötzlich schmissige Opener „Wellenbruch“ bietet eingangs hochdynamisch inszenierte und melodisch herrlich eingängige Gitarrenarbeit vom Feinsten – ein verdammt guter Auftakt! Beeindruckend: Das betont hymnische Lied ist von eindringlicher Markanz, man erkennt es unter Abertausenden sofort wieder heraus – so gehört sich das. Doch auch die Leistungen des Schlagzeugers erweisen sich im Weiteren als sehr hörenswert, denn der Kerl beherrscht sein Hand- beziehungsweise Schlagwerk schon sehr gut – was auf dieser ebenso ereignisreichen wie unterhaltsamen Heidenscheibe ständig mit angenehm überraschenden Darbietungsvariationen – darunter auch heftig prasselnde Trommelwirbel – unter Beweis gestellt wird. Bissig grollend besungen beziehungsweise diskantartig bekreischt oder auch hysterisch klagend beschrieen und sogar zuweilen mit Klargesängen versehen werden nachfolgend auch die restlichen der zehn enthaltenen Lieder in deutscher Muttersprache – wobei gewisse merkliche Defizite, gerade im Growl-Bereich sowie auch bisweilen bei den klaren Vokallinien nicht von der Hand zu weisen sind. Kleine Makel, welche den Hörgenuss aber mitunter leider eintrüben. Fest steht auch: Liedertitel wie beispielsweise „Rothenburg“, „Das Horn wird erklingen“ oder auch „Fjordgang“ machen beileibe auch keinen Hehl aus der großen Heimat-, Historien und Mythenverbundenheit der Gruppe. Ersterem trägt das Nachwuchsquartett auch mit entsprechend kolorierten Gesichtsbemalungen auf mutige Weise Rechnung – was man in diesem blutroten Farbton beim „Corpsepaint“ ja wirklich auch nicht alle Tage zu sehen bekommt.

 

© Markus Eck

(25.01.2010)