VLAD
IN TEARS
„Underskin“
(Hellfest) 7/10
Einfallsreich gekleidete Gothic Rocker aus Italien meinen es musikalisch, lyrisch
und optisch bekanntlich meistens sehr gut – doch richtige Talente beglücken
die Welt von dort aus im Gegensatz dazu leider allzu selten. Wenn ich da beispielsweise
nur an die letzte zwiespältige Veröffentlichung von Mandragora Scream
von dort denke, welche geradezu ein mustergültiges Paradebeispiel für
ärgerliche Unentschlossenheit in Sachen Stilsicherheit, Ideenhomogenität
und Musikgespür ist. Atmosphärisch-dunkelromantischer Gothic Rock
mit nicht selten starkem elektronischen Einschlag ist auch das Pläsier
von Vlad In Tears, die sich sowohl mit Bandnamen als auch Staffage außerhalb
ihrer Szene wahrscheinlich nicht so viele Freunde machen werden. Egal, denn
im samtschwarzen Gotenrockerbereich können die inniglich vorgehenden Jungs
mit ihrem angenehm strukturierten Material garantiert passabel punkten. Und
das liegt nicht zuletzt an der nicht selten gar herrlich stimulierenden Härte
ihrer überraschend versiert gezockten Stromklampfen, sondern auch an wirklich
formidabler Keyboardarbeit! Immer schön gefühlvoll, stets Sehnsucht
spiegelnd, ständig auf Tränensuche – und zuweilen mit richtig dickem
Pathos. Hier haben wir es also mit einem Quartett zu tun, mit Protagonisten,
denen Gefühle über alles zu gehen scheinen – dementsprechend emotional,
ja bisweilen gar rührselig sind die Songs ihres aktuellen Albums „Underskin“
geworden. Im Fahrwasser von HIM, Negative und Kosorten bewegen sich die zehn
teils gewollt poppigen Kompositionen, ohne jedoch gesanglich an Genannte zu
erinnern – denn Vokalist Kris Vlad geht kehlentechnisch eher leichfüßig
als beschwerend vor. Natürlich sind hier die ersten beiden Tracks „Forbidden
Dream“ und „My Wreck“ die besten Songs der vor allem für betont feingeistige
Goth Rock-Jünger empfehlenswerten Scheibe, welche gezielt clever im Vordergrund
platziert wurden – doch der Rest der Veröffentlichung kann ein qualitativ
stabiles Niveau trotzdem ganz gut aufrechterhalten.
© Markus Eck
(23.02.2010)