WULFGAR
„Midgardian Metal“

(Trollzorn) 9/10
„Go berzerk!“ lautet ihr unmissverständliches Motto – na, dann mal schnell los! Und ich sage euch, was Zorneskehle Emil Augustsson, die beiden vielfach fähigen Gitarren-Gevattern Jimmie und Reine samt Tieftoner Morgan und Knüppel-Drummer Thommy hier abziehen, das knallt! Wulfgar, waschechte Wolfsjünger und aufrechte Heidenherzen, waren nach der Veröffentlichung ihres mächtigen Debütalbums „With Gods And Legends Unite“ fleißig und können nun den sensationellen Nachfolger „Midgardian Metal“ von der Kette lassen. Ja, sensationell, denn das mitreißende Hammermaterial dieser absoluten Gewinnerplatte wirkt schneller und besser als 1 Liter Met ex und hopp gesoffen. Qualitativ also ganz schön gesteigert hat sich der schwedische Mythentrupp für diese Liederkollektion, und das gleich in mehreren Disziplinen: Die Instrumentierungen nämlich wirken viel punktueller zueinander gespielt, die Melodieaufbauten sind um einiges eingängiger gestaltet worden und auch die Struktureneffizienzen überraschen mich hier wirklich beachtlich. Bestimmt weit mehr als ein Dreiviertel heutiger Viking Metal-Gruppen würden für einen wirklich eigenen, einen wirklich eigenständigen Sound wohl alles stehen und liegen lassen – Wulfgar haben ihn. Und das scheint diesen Rabauken auch noch leichter zu fallen als eine Bibelseite in der Mitte zu zerreißen.

 

Nordisch grimmig beißende Härte, kompositorische Schneidigkeit und schön griffige Einprägsamkeit, dafür wurden bekanntlich ja einst die rauen Seefahrerseelen von Amon Amarth über alle Grenzen hinaus weltberühmt – doch weder die Band selbst noch zahllose Nachahmer konnten an ihre beiden genialen Frühwerke anknüpfen – doch die heldenhaft frenetisch aufmusizierenden fünf Tapfergeister von Wulfgar sind mit ihrem aktuellen Donnerdiskus schon verdammt dicht dran an genannten Höhenflügen. Ob es nun die stets angenehm durchdacht anmutenden und oberwuchtigen Break-Einsätze sind, ob es nun die spannende Variabilität der zackigen Trommelrhythmiken ist oder ob es die verdammt packenden epischen Saitenduelle von Jimmie und Reine sind – Brüllkämpfer Augustsson thront stets hocherhaben über allem mit seiner hochgefährlichen Stimmbandbewaffnung! Echt viehisch, was der Kerl vom Stapel lässt – exakt in der Mitte zwischen rabiatem Todesbleigrollen und dem furiosen Diskant zügelloser Kreischorgien ertönen seine schmissigen Tiraden größtenteils. Vereinzelt gehen die vor Leidenschaft glühenden Schwedenmannen mit ansteckend hymnischen Sauf- und Rudererchören vor, die besser nicht platziert hätten werden können. Mit „Midgardian Metal“ gelang Wulfgar eine derzeitig wohl mehr als überfällige Spitzenveröffentlichung, mit der dem (nicht nur durch Uninspiriertheit und Plagiatoren) vielfach geplagten Viking Metal-Genre stark lindernder Balsam zuteil wird.

 

© Markus Eck

(03.01.2010)